Manchmal gibt es die Auffassung, die Arbeiterklasse habe als solche keine Bedeutung mehr für die gesellschaftliche Entwicklung. Verwiesen wird auf die abnehmende Quantität. Demgegenüber beharren Marxisten darauf, dass nicht die Anzahl, sondern die Qualität der Stellung innerhalb des Gesellschaftsgefüges zähle: die Arbeiterklasse als einzige Kraft, die – nach Marx – ihre Selbstabschaffung als Klasse wünschen könne. Sie haben nichts zu verlieren, wenn die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse auf den Kopf gestellt würden, nur ihre “Ketten” eben. Bedeutsam in diesen Zusammenhang ist natürlich auch die Machtposition von Arbeitern im Prozess von Herstellung und Verteilung von Waren. Wenn z.B. Transportarbeiter nichts ausliefern, dann stockt schnell die ganze Verwertungskette. Und da wo sie zahlenmäßig weniger werden, da schrumpft keineswegs ihre Bedeutung.
In diesem Forum fand sich dagegen die Auffassung, die Arbeiterklasse sei „korrumpiert“ hinsichtlich der ihr zugeschriebenen Subjektrolle gesellschaftlichen Fortschritts. „Korrumpiert“ soll dabei wohl bedeuten, die ganze Klasse habe sich eingerichtet in den kleinbürgerlichen Wertvorstellungen und dafür entsprechende Vergünstigungen erfahren. Oder andersherum?
Aber wer ist diese schrumpfende Arbeiterklasse? Und schrumpft sie weltweit? Und wie korrumpiert sind die Arbeiter in Argentinien, Südkorea oder auf den Philippinen?
Relevant ist zudem sicherlich auch die Differenz zwischen dem was ist und dem, was sein kann. Sind alle lohnabhängig arbeitenden Menschen tatsächlich auf Ewigkeit zur kleinbürgerlichen Selbstgenügsamkeit verdammt, wie es das Urteil, sie seien als Klasse korrumpiert, nahelegt?
Interessant ist schließlich auch folgende Frage: Warum eigentlich soll „die Arbeiterklasse“ ausgeschlossen werden von der Verwirklichung einer zukunftsfähigen menschlichen Gesellschaft?